Aus Aschenputtel wird Cinderella

Die Version der Cinderella stammt vom französichen Märchenerzähler Charles Perrault. Im europäischen Kulturraum ist das Märchen von Aschenputtel oder auch Aschenbrödel hauptsächlich durch die Märchensammlung der Gebrüder Grimm und der Märchensammlung von Ludwig Bechstein (sehr ähnliche, aber gekürzte Version) in Erinnerung geblieben.

Wo liegen die Unterschiede?

Die grundlegenden Unterschiede zwischen Cinderella und Aschenputtel sind im folgenden aufgeführt:

  • Aschenputtel verliert einen goldenen Schuh – Cinderellas verlorener Schuh hingegen ist aus Glas
  • Aschenputtel wird nicht, wie Cinderella, in einer von Mäusen gezogenen Kürbiskutsche zum Ball gefahren sondern läuft zum Fest
  • Aschenputtel findet man in der Märchensammlung der Gebrüder Grimm – Cinderellas Geschichte hingegen findet man in der Sammlung des französichen Märchendichters Charles Perrault
  • die drei Haselnüsse und das Grab der Mutter Aschenputtels fehlen in der Version von Perrault, stattdessen bekommt Cinderella ihre Wünsche von einer guten Fee erfüllt
  • Cinderella verliert bereits nach dem zweiten Ballabend ihren Schuh, weil sie fast Mitternacht verpasst und zu diesem Zeitpunkt der Zauber unwirksam wird – Aschenputtel hingegen geht drei Mal zum Ball und verliert ihren Schuh nur deshalb, weil die Schlosstreppe mit Pech bestrichen wurde.

Die Verbreitung des Märchens

Cinderella fährt in einer Kürbiskutsche zum Ball.

Cinderella fährt in einer Kürbiskutsche zum Ball.

Dass aus Aschenputtel nun immer vermehrter Cinderella wird, liegt vermutlich daran, dass die Verbreitung des Märchens heutzutage mehr über Filme und Musicals geschieht. Märchenbücher verlieren offensichtlich immer häufiger ihren Stellenwert und werden durch den Fernseher ersetzt.

So handelt es sich bei einer der bedeutendsten Cinderella-Verfilmungen, um die 1950 entstandene, Zeichentrick-Verfilmung von Walt Disney. Aber auch die im Jahre 1973 gedrehte Aschenputtel-Verfilmung von Vaclav Vorlicek, “Drei Haselüsse für Aschenbrödel“, flimmert mittlerweile zuverlässig jedes Jahr zur Weihnachtszeit über die Bildschirme und hat bereits, wie die dazugehörige Filmmusik, Kultstatus.

Insgesamt wurde das Märchen zwischen 1916 und 2011 mehr als 27 mal verfilmt.
Zusätzlich bestehen derzeit noch mindestens vier Musicals aus dem Stoff des Märchens “Cinderella”.

Ist die Aschenputtel-Geschichte zu brutal?

Ein zweiter Grund dafür, dass eher Cinderella als Filmmaterial herangenommen wird, dürfte sein, dass die Aschenputtel-Ausführung der Gebrüder Grimm zum Teil doch recht brutale Züge annimmt. Hier hacken sich die beiden Stiefschwestern Ferse und Zeh ab, um unter allen Umständen in den Schuh zu passen. Und der Stiefmutter werden zum Schluss von den Tauben auch noch die Augen ausgehackt.

Diese Brutalität ist in der Perrault-Ausführung nicht zu finden. Hier gibt es statt dessen das perfekte “Happy-End”. Denn auch die Stiefschwestern kommen noch zu ihren Edelmännern und die Stiefmutter wird ebenfalls nicht für ihre Gefühlskälte und Bosheit bestraft.

Es liegt also auf der Hand, dass der bessere Stoff für eine wunderschöne Geschichte ohne Blutvergießen die Perrault-Fassung ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *